11. Juli 2026
29. MASTERRIND-Landesfleischrinderschau
Miss und Mister Tarmstedt
30 Grad statt 30 Liter Regen. Während auf dem Ausstellungsgelände jeder Schattenplatz gefragt war und der Strohhut zur Standardausrüstung gehörte, zeigten sich die Fleischrinder von ihrer besten Seite. Die hochsommerlichen Temperaturen konnten der Qualität nichts anhaben. Im Gegenteil. Mit elf vertretenen Rassen und sogar mehr Teilnehmern als im Vorjahr präsentierte sich die 29. MASTERRIND-Landesfleischrinderschau im Rahmen der Tarmstedter Ausstellung eindrucksvoll wie nie. In drei Ringen gleichzeitig suchten Clemens Braschos, Jannik Kastens, Johannes Röttger und Timo Heimsoth nach den besten Tieren des Landes. Ein Begriff fiel dabei immer wieder: Zuchtperlen.
Am Ende durfte sich die Gallowaykuh Ohara vom Kronenhof von Carsten Haase aus Dinklage über den Titel Miss Tarmstedt 2026 freuen. Mister Tarmstedt 2026 wurde der Limousinbulle Titus von Jochen Willen aus Löningen. Die Siegerbetriebssammlung stellte die Ahrens GbR aus Hespe, die Siegernachzuchtsammlung ging an Rainer Moormann aus Essen und die WilMar Geestrind GbR aus Dannewerk.
Mister Tarmstedt 2026: Der Limousin-Bulle Titus von Jochen Willen aus Löningen; Foto Heinrich Schulte
Miss Tarmstedt 2026: Die Gallowaykuh Ohara vom Kronenhof von Carsten Haase aus Dinklage; Foto Heinrich Schulte
Charolais, Angus, Blonde d’Aquitaine
Charolais
Traditionell eröffneten die weißen Riesen den Schautag. Bereits bei den Bullen wurde deutlich, wie hoch das Niveau in diesem Jahr war. In drei Altersklassen musste Clemens Braschos die Spitzenbullen vergleichen. Den Landessieg sicherte sich schließlich Tornado von der Kastens GbR aus Hilgermissen. Der Bulle wurde seinem Namen gerecht und wirbelte auf tadellosen Fundamenten durch den Ring. Kraft, Balance und Rassetyp überzeugten den Preisrichter gleichermaßen. Der Reservesieg ging an Like me von Jörg Einemann aus Ottersberg. Kommentator Torsten Kirstein bemerkte augenzwinkernd, Braschos schwitze wohl nicht nur wegen der Temperaturen, sondern auch wegen der schwierigen Entscheidung.
Bei den Kühen mit Kalb setzte sich Raiponce der Kastens GbR durch. Braschos bezeichnete sie als absolute Zuchtkuh. Besonders ihre harmonischen Übergänge, die enorme Tiefe, das breite Becken und ihre Ausstrahlung gaben den Ausschlag. Dahinter folgte Elira von Rainer Moormann aus Essen.
Auch bei den Rindern war die Konkurrenz groß. Insgesamt wurden 29 Tiere in sechs Altersklassen vorgestellt. Den Landessieg errang Flecki von Harald Knippenberg aus Driftsethe. Ausdruck, Körperbreite und viel Schick machten sie zur Siegerin. Den Reservesieg erreichte Nina von Ludger Hülsmann aus Visbek.
Nicht nur in den Einzelentscheidungen überzeugten die Charolaiszüchter. Auch die Siegernachzuchtsammlung kam aus ihren Reihen. Rainer Moormann aus Essen und die WilMar Geestrind GbR aus Dannewerk präsentierten eine harmonische, qualitativ außergewöhnlich starke Kollektion und unterstrichen damit eindrucksvoll die züchterische Leistungsfähigkeit ihrer Bestände.
Angus
Mit 31 Angusrindern samt Kälbern gehörte die Rasse erneut zu den teilnehmerstärksten Kollektionen der Schau. Preisrichter Jannik Kastens stand vor keiner leichten Aufgabe. Fünf 1a platzierte Tiere präsentierten sich im Finale der Landessiegerauswahl. „Ein überzeugendes Schlussbild“, stellte der Richter fest und lobte die Arbeit der Züchter. Die Tiere überzeugten mit feinem Knochenbau, viel Tiefe, ausgeprägter Bemuskelung und bestem Rassetyp. Bei den Rindern fiel die Entscheidung zugunsten von Gwenda von Friederike Brockmann aus Hessisch Oldendorf. Kastens beschrieb sie als „ein Rind ohne Fehler“, dass sich mit überragendem Typ und bester Ausstrahlung präsentierte. Den Reservesieg erreichte Briska von Thorsten Ahlers aus Visselhövede.
Zur Gesamtsiegerin der Kühe mit Kalb wurde die neunjährige Elke der Schäferei Schrick GbR aus Beverungen gekürt. Die großrahmige Kuh beeindruckte mit ihrem hervorragend entwickelten Kalb und einer tadellosen Präsentation. Trotz ihres Alters zeigte sie sich noch immer in beeindruckender Form. Den Reservesieg sicherte sich die fünfjährige Pialotta von Hof Kamerun von Willi Göttsche aus Hennstedt. Die mittelrahmige Kuh überzeugte mit viel Tiefe, ausgeprägter Fleischfülle und einem starken Kalb bei Fuß.
Bei den Bullen hatte Europa von Mario Lehmkuhl aus dem Landkreis Nienburg als einziger Vertreter leichtes Spiel. Der hervorragend bemuskelte Angusbulle qualifizierte sich souverän für die Siegerauswahl.
Blonde d'Aquitaine
Mit dem französisch gezogenen Bullen Scorpion präsentierte die WilMar Geestrind GbR aus Dannewerk einen eindrucksvollen Vertreter seiner Rasse. Enorme Bemuskelung, außergewöhnlicher Rassetyp und viel Präsenz im Ring brachten ihm den Klassensieg und später sogar einen Platz unter den letzten fünf Bullen im Wettbewerb um den Titel Mister Tarmstedt.
Ergänzt wurde die Vorstellung durch eine Kuh mit Kalb sowie ein Rind aus derselben Zuchtstätte. Preisrichter Jannik Kastens bescheinigte beiden Tieren große Qualität. Mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Rassetyp könnten sie auch auf größeren Wettbewerben jederzeit ganz vorne mitlaufen.
Beste Nachzuchtgruppe: Rainer Moormann aus Essen und die WilMar Geestrind GbR aus Dannewerk; Foto Heinrich Schulte
Beste Betriebssammlung: Ahrens GbR aus Hespe; Foto Heinrich Schulte
Fleckvieh Simmental, Galloway, Hereford
Fleckvieh Simmental
Die Fleckvieh Simmental Rasse erfreut sich auch in Niedersachsen wachsender Beliebtheit. Der Siegerbulle verkörperte das Zuchtziel nahezu ideal. Tiefe Vorhand, hervorragend bemuskelter Hals-Schulter-Bereich, lange Mittelhand, gewaltige Keule sowie ein tadelloses Fundament mit besten Klauen ließen dem Preisrichter kaum eine Alternative. Der reinerbig hornlose Altbulle Sixtus erreichte später ebenfalls die Endauswahl der fünf besten Bullen.
Bei den Rindern setzte sich Brenda von der WBS Schmidt KG aus Aerzen durch. Ihr größter Vorzug lag in ihrer enormen Länge sowie der außergewöhnlichen Festigkeit im Vorder- und Hinterbein. Den Reservesieg errang Lilo von Jens Kück aus Worpswede.
Galloway
Bei den Galloways standen zwei Bullen im Wettbewerb. Der siebenjährige Saam vom Bechtelsberg, vorgestellt von Eike Sudmann, erreichte zwar die Endauswahl, blieb dort jedoch ohne weitere Platzierung.
Für den emotionalsten Moment des Tages sorgte später jedoch Ohara vom Kronenhof von Carsten Haase aus Dinklage. Die erst einmal abgekalbte Kuh überzeugte mit enormem Stil, viel Tiefe, einer tadellosen Oberlinie, breitem Becken und einem hervorragend entwickelten Kalb. Sie gewann zunächst die Landessiegerauswahl der Kühe mit Kalb und wurde später zur Miss Tarmstedt 2026 gewählt.
Den Reservesieg erreichte Naenci aus dem Suletal, eine Donnerhall-Tochter von Stephanie-Susan Harms-Wiegmann aus Sulingen.
Bei den Rindern gingen drei starke Klassen der Endauswahl voraus. Umani aus dem Suletal überzeugte den Preisrichter mit enormer Tiefe, viel Rahmen und Länge. Dahinter platzierte sich ihre jüngere Stallgefährtin Nobele aus dem Suletal.
Hereford
Internationales Flair brachte der dänische Herefordzüchter Henning Have als Gastrichter nach Tarmstedt. Da allerdings ein von ihm gezüchteter Bulle im Wettbewerb stand, übernahm Clemens Braschos die entsprechende Bullenklasse.
Den Landessieg errang der achtjährige Nightfire, heute im Besitz von Lena Spechtmeyer aus Espelkamp. Trotz seines Alters präsentierte sich der Bulle ausgesprochen frisch. Besonders Mittelhand, Beckenbreite und Kondition überzeugten den Preisrichter. Dahinter folgte der junge Randolf von Eickhorst aus Stuhr, dem Braschos aufgrund seines ähnlichen Körperbaus eine vielversprechende Zukunft bescheinigte.
Bei den Kühen mit Kalb gewann Paulina von Carsten Rust aus Bad Fallingbostel. Mehr Volumen, korrekte Beine und ein hervorragendes Kalb ließen den dänischen Preisrichter auf eine hohe Milchleistung schließen. Auch bei den Rindern blieb Rust erfolgreich und sicherte sich den Gesamtsieg.
Highland Cattle und Limousin
Highland Cattle
Bei den Highlands traf Jugend auf Erfahrung. Sieger wurde der sechsjährige Stuart II of Eekkeloh von Ferdinand Marschalk aus Geestland. Perfekter Rassetyp, feste Schulter und eine tadellose Oberlinie machten ihn zum verdienten Sieger.
Bei den Färsen dominierte Lara-Sophi vom Husarendamm von Mathilde Schulze aus Drebber. Timo Heimsoth lobte ihre hervorragende Entwicklung, das tadellose Skelett, das ausgezeichnete Becken und ihre ausgeprägte Weiblichkeit. Kommentator Torsten Kirstein ergänzte, dass die junge Züchterin inzwischen auf mehreren Schauen nahezu alles abräume. Den Reservesieg erreichte die weiße Lady vom Habershof vom Betrieb Habers aus Neuenhaus.
Limousin
Die Limousinzüchter lieferten sich einen Wettbewerb auf allerhöchstem Niveau. Drei Klassen gingen der Entscheidung bei den Bullen voraus. Den Landessieg gewann schließlich Titus von Jochen Willen aus Löningen. Ausschlaggebend war seine überragende Hinterhand bei gleichzeitig enormer Tiefe und imposantem Seitenbild. „Das ist Champions League. Europaniveau“, stellte Röttger fest und gratulierte dem Besitzer zu einem Deckbullen, um dessen Nachzucht er sich keine Sorgen machen müsse. Wenig später setzte sich Titus auch gegen sämtliche Konkurrenten anderer Rassen durch und wurde Mister Tarmstedt 2026. Der Reservesieg ging an Juri vom Hürtgenwald aus der Zuchtstätte Specht in Westerstede.
Bei den Kühen mit Kalb feierte die Ahrens GbR aus Hespe einen beeindruckenden Doppelsieg. Ebony gewann vor Stallgefährtin LaRochelle. Damit unterstrich der Betrieb eindrucksvoll seine züchterische Qualität. Dass die Ahrens GbR am Ende zusätzlich die Siegerbetriebssammlung stellte, rundete einen äußerst erfolgreichen Schautag ab.
Auch bei den Rindern war das Niveau außergewöhnlich hoch. Nach fünf Klassenentscheidungen setzte sich Toskana von Gerd Grimmelmann aus Hilgermissen durch. Johannes Röttger fand ausschließlich lobende Worte: „Absolut auf den Punkt vorbereitet und führig. Sie weiß, was sie kann, bringt Ausstrahlung mit und grinst regelrecht in die Kameralinse.“ Den Reservesieg errang Betty vom Betrieb Bünger aus Essel. Zum Abschluss verabschiedete Röttger beide Besitzer mit den Worten: „Viel Spaß mit diesen Zuchtperlen.“
Pinzgauer, Salers, Welsh Black
Pinzgauer
Als Demonstrationsrasse zeigten die Pinzgauer eindrucksvoll, warum sie vor allem im Alpenraum geschätzt werden. Mit ihrer markanten weißen Rücken- und Bauchzeichnung sowie ihrer Fähigkeit, auch auf kargen Standorten viel Fleisch zu erzeugen, weckten sie das Interesse vieler Besucher.
Den Siegerbullen stellte die Züchtergemeinschaft Brockmann, Bartels und Hüneke mit Hanno. Bei den Kühen mit Kalb holte Bavaria die Poleposition. Besitzer Cord Brockmann fördert die Rasse aktiv und brachte zahlreiche Tiere aus Österreich nach Niedersachsen. Bei den Rindern gewann Loreen, die sich durch ihre festere Oberlinie und das insgesamt komplettere Erscheinungsbild durchsetzte.
Salers
Die Salers wurden von Familie Nolte aus Rosdorf vorgestellt. Jannik Kastens hob insbesondere die Wirtschaftlichkeit der Rasse hervor. Aufgrund ihrer hervorragenden Kalbeeigenschaften eigne sie sich hervorragend für Kreuzungen mit Charolais und liefere leistungsstarke Mastkälber.
Welsh Black
Familie Hacke aus Uelzen präsentierte die Welsh Black. Im direkten Vergleich dreier Rinder setzte sich Blanka durch. Ausschlaggebend waren ihre harmonischen Übergänge, die gleichmäßige Bemuskelung und ihr überzeugender Gesamteindruck. Als Ehrenpreis gab es einen Gutschein der MASTERRIND.
Am Ende bleibt vor allem eines:
Ohne engagierte Züchter, Familien, Helfer, Preisrichter, Sponsoren und die vielen Unterstützer am Ring wäre eine Fleischrinderschau wie diese nicht möglich. Ihnen allen gilt ein herzliches Dankeschön. Die Messlatte für das Jubiläum im kommenden Jahr liegt jedenfalls schon jetzt ein gutes Stück höher.
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Landesfleischrinderschau & Jungzüchter Vorführwettbewerb