MASTERRIND GmbH

11. Apr 2023

Im Austausch mit der Wirtschaft über Tierzucht, Milchkontrolle sowie Tiertransporte

Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Ophelia Nick zu Besuch in Verden

Das Bundeslandwirtschaftsministerium nahm sich am 05. April einen ganzen Tag Zeit, um sich in Verden über Entwicklungen der Tierzucht, der Milchkontrolle sowie des Tierwohlstandards Transport (TWS-T) zu informieren. Die Wirtschaft vertraten dabei der Bundesverband Rind und Schwein, die MASTERRIND, der Landeskontrollverband Niedersachsen und das vit.

Den guten Austausch wollen alle Beteiligten fortzuführen.

 

 

Die parlamentarische Staatssekretärin Dr. Ophelia Nick nahm sich gemeinsam mit weiteren Vertretern aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium viel Zeit für den Austausch mit den Organisationen. Anlässlich ihres Besuches in Verden informierte sie sich über Grundlagen und Entwicklungen der Tierzucht und Milchkontrolle. Auch zu Fragen des Exports von Rindern erfolgte ein reger Austausch.

 

Gesundheit, Nutzungsdauer und funktionale Merkmale dominieren die Ausrichtung der Rinderzucht

Dr. Jens Baltissen, stellv. Geschäftsführer des Bundesverbandes Rind und Schwein e.V., stellte Aufbau und Aufgaben des Bundesverbandes vor. Als Fachverband vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder und verstehen uns als Ansprechpartner und Koordinator zu allen übergeordneten Fragestellungen dieser, machte Baltissen deutlich. Überregionale Standards sichern die Vergleichbarkeit und sind wichtig, z. B. für die Entwicklung neuer Zuchtwerte und die Definition der Zuchtziele. Während bis Mitte der 90er Jahre ausschließlich die Milchleistung züchterisch bearbeitet werden konnte, stehen heute Gesundheit, Nutzungsdauer und funktionale Merkmale mehr im Vordergrund, machte Baltissen deutlich.

 

Deutsche Rinderzucht ist innovativ und weltweit gefragt

Ralf Strassemeyer, Geschäftsführer der MASTERRIND, erläuterte aktuelle Trends und Entwicklungen in der Zucht, wobei insbesondere die Gestaltung von Zuchtprogrammen und die Aufnahme neuer Merkmale eine große Rolle spielen. Dabei wurde deutlich, dass sich die Anforderungen von Landwirten an die Rinderzucht stetig weiterentwickeln. Messungen und ausreichend Daten bilden die Grundlage für eine erfolgreiche und transparente Zucht, unterstrich Strassemeyer. Deutsche Zuchtorganisationen investieren viel Geld für die Ausrichtung auf eine nachhaltige Rinderzucht, die das Klima möglichst entlastet, Ressourcen schont und gleichzeitig wirtschaftliche Perspektiven für die Betriebe bietet. Deutsche Zuchtrinder sind daher weltweit gefragt, erklärte Strassemeyer. Tierwohlgerechte Tiertransporte sehen wir als Möglichkeit, unsere Standortvorteile zu exportieren und damit anderen Ländern beim Aufbau nachhaltiger Lebensmittelsysteme zu helfen.

 

Tierwohlstandart Transport macht Rindertransport transparent

Um diese tiergerechten Transporte gerade in entfernte Länder abzusichern, stellte Dr. Jens Baltissen den Tierwohlstandard-Transport (TWS-T) vor, mit dem Tiertransporte geplant, durchgeführt, in Echtzeit dokumentiert und ausgewertet werden können. Wer dieses System nutzt, hat nichts zu verbergen, zeigte sich Baltissen optimistisch. Er regte eine internationale, tierartenübergreifende Nutzung an, um Transparenz im Sinne des Tierwohls zu schaffen.

 

Gesundheitsdaten fließen bereits seit 2016 in die Zuchtwertschätzung ein

Dr. Reinhard Reents, Geschäftsführer des vit, machte deutlich, dass die Rinderzucht in Deutschland gut aufgestellt sei, um sowohl den Wünschen der Gesellschaft als auch der Betriebe gerecht zu werden. Fast 85 % aller Kühe stehen unter Milchkontrolle und liefern wertvolle Daten. Dank einer standardisierten Erfassung und Verarbeitung dieser Daten innerhalb einer bäuerlich organisierten Zucht, habe die deutsche Rinderzucht Vorteile, um die sie andere Länder beneideten. Die genomischen Untersuchungen bieten seit einigen Jahren die Chance, die genetische Veranlagung in allen züchterisch erfassten Merkmalen zu bewerten und das Potenzial der Tiere bereits als Kalb zu erkennen, erläuterte Reents. Besonders die seit 2016 in ca. 750 Betrieben erfassten Gesundheitsdaten können über die genomischen Zuchtwerte in die Selektion einbezogen werden und zeigen bereits deutliche züchterische Fortschritte. Der umfassende Datenpool des vit wird auch für aktuelle Forschungsvorhaben genutzt, um die Milchviehhaltung zukunftssicher aufzustellen. Als Beispiele nannte Reents Projekte zur Futtereffizienz, Methanreduzierung und den gerade neu eingeführten Zuchtwert Persistenz.

 

Eine zertifizierte Milchkontrolle ist wichtige Informationsquelle

Dr. Ernst Bohlsen, Geschäftsführer beim Landeskontrollverband Niedersachsen, erläuterte u.a. die Bedeutung einer zertifizierten Milchkontrolle als verlässliche Informationsquelle für Landwirte, Züchtervereinigungen, Tierärzte, Berater und für die Politik. Milchkontrolldaten sind die Basis für ein erfolgreiches Herdenmanagement und können als Tierwohlnachweis genutzt werden. Sie sind Voraussetzung für eine gute Zuchtwertschätzung und helfen Ressourcen zu schonenZukünftig wird auf Basis dieser Daten sogar eine objektive Beurteilung der Methanemissionen möglich sein, ist sich Bohlsen sicher. Wie die verarbeiteten Daten direkt in der Praxis genutzt werden können, erläutert Bohlsen am Beispiel der Datenbank Q-Check. Mit Q-Check ist es erstmals gelungen, wertvolle Informationen über Tierwohl und Tiergesundheit bundesweit einheitlich zu extrahieren. Die Datenbank kann daher auch zur betrieblichen Schwachstellenanalyse genutzt werden.

 

Politik und Wirtschaft wollen Austausch fortsetzen

Zum Abschluss der Informationsreise ließ es sich die Staatssekretärin nicht nehmen, auch das Milchlabor IFM in Verden zu besuchen. Die automatisierten Prozesse der Probenbearbeitung und das breite Spektrum der Untersuchungsmöglichkeiten hinterließen einen sehr positiven Eindruck bei der Delegation des BMEL. In seinen Schlussworten dankte Hans-Peter Meyn in seiner Funktion als stellv. Vorsitzender des BRS und Vorsitzender des vit für das Interesse und man verabredete den guten Austausch weiter fortzuführen.

 

Quelle: Bundesverband Rind und Schwein